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Newsletter 09/2005

Ölpreisanstieg

Der Preisanstieg für Rohöl hält unvermindert an und stellt damit eine wachsende Belastung für die europäischen Volkswirtschaften, aber auch für die Weltwirtschaft insgesamt dar. Ausschlaggebend für diese Entwicklung ist ungeachtet geopolitischer Risiken und Instabilitäten im Nahen und Mittleren Osten weniger ein Engpass auf der Angebotsseite als vielmehr die ständig steigende Nachfrage der Industriestaaten und vor allem Chinas nach dem knappen Rohstoff. Die Marke von 60 Dollar je Barrel (159 Liter) ist längst genommen und scheint in nächster Zeit auch kaum nachhaltig unterschritten werden zu können. Den größtenÖlverbrauch verzeichnen mit Abstand nach wie vor die USA, während China den stärksten Zuwachs verbuchen konnte. Deutschland hingegen war 2004 sparsamer als im Jahr zuvor.

Der steigende Ölpreis mindert die Kaufkraft der Konsumenten und erhöht die Kosten für die Unternehmen. Verschiedene Modellrechnungen gelangen zu dem Ergebnis, dass ein dauerhafter Anstieg des Ölpreises um 10% innerhalb von drei Jahren das deutsche Bruttoinlandsprodukt um bis zu 0,5 Prozentpunkte senke. Ökonomen aus der Grundsatzabteilung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit haben allerdings jüngst darauf hingewiesen, dass derartige Simulationen das „Petrodollar-Recycling“ vernachlässigen würden. Damit gemeint ist, dass die Erdölstaaten die höheren Öleinnahmen wieder für Importgüter ausgäben und gerade Deutschland, Japan und die USA hiervon bislang überdurchschnittlich profitiert hätten. Unter Berücksichtigung solcher Effekte würde ein Ölpreisanstieg die deutsche Konjunktur daher weniger stark belasten, als es die Faustregeln nahe legten. Unterm Strich habe die deutsche WirtschaftÖlpreiserhöhungen in der Vergangenheit besser verkraftet als konkurrierende Länder und somit die relative Wettbewerbsfähigkeit erhöhen können. Gründe hierfür könnten geringereölpreisbedingte Lohnsteigerungen sein.

In den nächsten Jahrzehnten werden der Energieverbrauch und damit die Nachfrage nach Erdöl weltweit steigen. Da aber zugleich auch das Angebot noch für geraume Zeit zunehmen wird, ist ungewiss, in welchen Höhen sich derÖlpreis zukünftig bewegen wird