Ölpreisanstieg
Der Preisanstieg für Rohöl hält unvermindert an und stellt damit eine
wachsende Belastung für die europäischen Volkswirtschaften, aber auch
für die Weltwirtschaft insgesamt dar. Ausschlaggebend für diese
Entwicklung ist ungeachtet geopolitischer Risiken und Instabilitäten im
Nahen und Mittleren Osten weniger ein Engpass auf der Angebotsseite als
vielmehr die ständig steigende Nachfrage der Industriestaaten und vor
allem Chinas nach dem knappen Rohstoff. Die Marke von 60 Dollar je
Barrel (159 Liter) ist längst genommen und scheint in nächster Zeit
auch kaum nachhaltig unterschritten werden zu können. Den
größtenÖlverbrauch verzeichnen mit Abstand nach wie vor die USA,
während China den stärksten Zuwachs verbuchen konnte. Deutschland
hingegen war 2004 sparsamer als im Jahr zuvor.
Der steigende
Ölpreis mindert die Kaufkraft der Konsumenten und erhöht die Kosten für
die Unternehmen. Verschiedene Modellrechnungen gelangen zu dem
Ergebnis, dass ein dauerhafter Anstieg des Ölpreises um 10% innerhalb
von drei Jahren das deutsche Bruttoinlandsprodukt um bis zu 0,5
Prozentpunkte senke. Ökonomen aus der Grundsatzabteilung des
Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit haben allerdings jüngst
darauf hingewiesen, dass derartige Simulationen das
„Petrodollar-Recycling“ vernachlässigen würden. Damit gemeint ist, dass
die Erdölstaaten die höheren Öleinnahmen wieder für Importgüter
ausgäben und gerade Deutschland, Japan und die USA hiervon bislang
überdurchschnittlich profitiert hätten. Unter Berücksichtigung solcher
Effekte würde ein Ölpreisanstieg die deutsche Konjunktur daher weniger
stark belasten, als es die Faustregeln nahe legten. Unterm Strich habe
die deutsche WirtschaftÖlpreiserhöhungen in der Vergangenheit besser
verkraftet als konkurrierende Länder und somit die relative
Wettbewerbsfähigkeit erhöhen können. Gründe hierfür könnten
geringereölpreisbedingte Lohnsteigerungen sein.
In den nächsten Jahrzehnten werden der Energieverbrauch und damit die Nachfrage nach Erdöl weltweit steigen. Da aber zugleich auch das Angebot noch für geraume Zeit zunehmen wird, ist ungewiss, in welchen Höhen sich derÖlpreis zukünftig bewegen wird