IM FOKUS: Wirtschaft und Sport - Unternehmen Fußball - Bundesliga
Die Deutschen lieben den Fußball – und mit ihm vor allem die
Fußball-Bundesliga. Diese sorgt aber nicht nur jede Woche für Spannung,
Dramatik und spektakuläre Tore, sondern ist zugleich auch ein
florierendes Wirtschaftsunternehmen. Können die deutschen Vereine auch
in sportlicher Hinsicht oftmals nicht mit ihrer Konkurrenz aus den
anderen großen Ligen mithalten, in puncto Wirtschaftskraft muss sich
die Bundesliga nicht verstecken.
Der Fußball boomt in
Deutschland – und das nicht erst seit der Fußball-Weltmeisterschaft im
vergangenen Jahr. Der Zuschauerschnit in der ersten Bundesliga liegt
mit ca. 38.000 Besuchern pro Begegnung doppelt so hoch wie noch vor 20
Jahren und wird in Europa von keiner anderen Liga erreicht.
Entscheidend mit dazu beigetragen haben zweifellos die vielen modernen
Arenen, die im Vorfeld der Weltmeisterschaft entstanden sind und gerade
für Familien einen sehr viel größeren Komfort bieten als die alten
Stadien. Auch die erschwinglichen Eintrittspreise dürften eine Rolle
spielen. Der durchschnittliche Ticketpreis in der Bundesliga liegt bei
19 Euro und ist damit deutlich niedriger als beispielsweise in England
oder in Spanien.
Einnahmequellen
Die
Haupteinnahmequelle der Vereine ist aber nicht der Verkauf der
Eintrittskarten, wenngleich hier in der jüngsten Vergangenheit aufgrund
des starken Besucherzulaufs und der deutlich gestiegenen Erlöse aus der
Vermarktung von Logen und Business-Seats die größten Zuwächse erzielt
werden konnten. In der Saison 2005/2006 blieben die Werbeeinnahmen (28
%) der wichtigste Ertragsbringer, vor den TV-Einnahmen (25,21 %) und
dem Umsatzanteil, den die Vereine an den Spieltagen in ihren Stadien
erwirtschafteten (23,46 %). Das Geschäftsmodell Profi-Fußball in
Deutschland basiert damit auf einem breiten und ausgewogenen Einnahme-
Mix und unterliegt nicht einseitigen Abhängigkeiten. Die übrigen
europäischen Top-Ligen erzielen ihre Erträge dagegen vor allem aus der
TV-Vermarktung. Spitzenreiter in der Saison 2004/05 war in dieser
Hinsicht die italienische Serie A (55 % des Gesamtumsatzes); die
anderen großen europäischen Ligen lagen alle zwischen 40 und 49 %.
Die
Attraktivität des Fußballs in Deutschland bzw. des Bundesliga-Fußballs
wird nicht zuletzt an den Werbeeinnahmen deutlich, die die Vereine in
den letzten Jahren erzielen konnten. Die Bundesliga war in dieser
Hinsicht sehr viel erfolgreicher als die anderen Ligen. Mehr noch: In
den vergangenen Jahren sind die Werbeerlöse des Profi-Fußballs deutlich
stärker gewachsen als der Werbemarkt insgesamt.
Alles in allem
liegt die Bundesliga mit ihrem Gesamtertrag von 1,287 Milliarden Euro
(Saison 2005/06) in Europa auf einem respektablen dritten Platz, hinter
der Premier League in England mit 1,974 Milliarden Euro (Saison
2004/05) und der italienischen Serie A (1,336 Milliarden Euro), aber
noch vor der spanischen Primera Division, die 2004/05 auf einen
Gesamtertrag von 1,029 Milliarden Euro kam.
TV-Gelder
Besonders signifikant sind die
Unterschiede zwischen der Bundesliga und den anderen großen Ligen im
Bereich der TVEinnahmen. Das Tochterunternehmen des im Jahr 2000 ins
Leben gerufenen Ligaverbandes, die Deutsche Fußball Liga GmbH, zählt zu
ihren Hauptaufgaben die Vermarktung der Bundesliga und 2. Bundesliga im
In- und Ausland. Mit dieser Aufgabe konnte sie betraut werden, weil
sich die Vereine auf die zentrale Vergabe der Medienrechte geeinigt
hatten – im Gegensatz etwa zur spanischen Primera Division, wo die
Vereine die Spiele selbst vermarkten können. Im Rahmen eines
solidarischen Verteilerschlüssels profitieren in Deutschland auch die
schwächeren Clubs der ersten und der zweiten Liga von den in den
letzten Jahren gestiegenen TV-Einnahmen. Der Abschluss der letzten
TV-Verträge im Dezember 2005 bringt dem Ligaverband in den Spielzeiten
2006/07 bis 2008/09 immerhin die Rekordsumme von 1,32 Milliarden Euro
ein. Damit liegt die Bundesliga zwar deutlich hinter der Premier League
und den anderen großen Ligen. Dafür aber können die Fernsehzuschauer am
Samstag, dem Bundesligahaupttag, bewegte Bilder im
öffentlichrechtlichen Fernsehen schon 75 Minuten nach Spielende sehen.
Ab der Saison 2009/10 wird der Unternehmer Leo Kirch, fünf Jahre nach
dem Zusammenbruch seines Medienimperiums, mit seiner neugegründeten
Firma Sirius als Zwischenhändler die Medienrechte an der
Fußball-Bundesliga vermarkten, ohne sie allerdings zu erwerben. Zudem
soll eine Gesellschaft gegründet werden, die fertige
Bundesliga-Programme erstellen und den Bezahl-Sendern anbieten soll. Um
die Auslandsvermarktung voranzubringen, ist ferner die Gründung einer
Gesellschaft zur Vermarktung der Auslandsrechte vorgesehen. Die DFL
erwartet eine Steigerung des Medienumsatzes auf rund 3,45 Milliarden
Euro zwischen 2009 und 2015.
Vereine und Kapitalgesellschaften
Viele
der Profiklubs der ersten und der zweiten Liga sind inzwischen
Kapitalgesellschaften– häufig in der Rechtsform einer GmbH & Co.
KGaA. Dies bedeutet aber nicht, dass externe Investoren die Geschicke
des Klubs nach ihren Vorstellungen bestimmen können. Die Statuten der
Vereine sehen vor, dass die Klubs in den ihnen vorgeschalteten
Kapitalgesellschaften stets die Mehrheit der Stimmrechte halten.
Hierfür gilt die Formel „50 Prozent plus x“.
Nicht nur, dass
sich unter den eingetragenen Vereinen inzwischen auch viele
Kapitalgesellschaften eingereiht haben; bei den Fußball-Klubs der
Bundesliga und der 2. Bundesliga handelt es sich inzwischen um
mittelständische Wirtschaftsunternehmen, die einer Stadt oder einer
Region mitunter sehr viel Strahlkraft verleihen können. Insgesamt
stehen bei den 36 Vereinen und Kapitalgesellschaften der beiden Ligen
3.419 Vollzeitangestellte, 778 Teilzeitangestellte und 4.589
Aushilfskräfte in einem direkten Arbeitsverhältnis (Saison 2005/06).
Damit sind die Profi-Vereine auch als Steuerzahler keine
vernachlässigbare Größe mehr. Die Bedeutung als Wirtschaftsfaktor wird
zudem deutlich, wenn man die für die Konjunktur wichtigen
Bauinvestitionen der Klubs betrachtet. So gaben die 36 Vereine im
Vorfeld der Weltmeisterschaft gemeinsam mit ihren Partnern mehr als
zwei Milliarden Euro für die Modernisierung oder den Bau der Stadien
aus.
Im Unterschied zu den Vereinen der anderen großen Ligen haben die
deutschen Klubs es verstanden, die Personalkosten in einem alles in
allem noch moderaten Rahmen ansteigen zu lassen. In Relation zum
Gesamtertrag blieben sie für die Bundesliga- Profis in der Saison
2005/06 erneut unter der 40-Prozent-Marke. Die englische Premier League
kommt dagegen auf eine Quote von 59 %, die spanische Primera Division
auf 64 % und die italienische Serie A auf 62 %. Den Bundesliga-Klubs
ist es durch diese Mäßigung gelungen, ihr Eigenkapital in den letzten
Jahren kontinuierlich zu erhöhen. Auch andere Zahlen sind erfreulich:
Insgesamt haben in der Saison 2005/06 12 von 18 Erstliga-Klubs schwarze
Zahlen geschrieben, also ein positives Ergebnis nach Steuern
ausgewiesen.
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