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Newsletter 11/2007

IM FOKUS: Wirtschaft und Sport - Unternehmen Fußball - Bundesliga

Die Deutschen lieben den Fußball – und mit ihm vor allem die Fußball-Bundesliga. Diese sorgt aber nicht nur jede Woche für Spannung, Dramatik und spektakuläre Tore, sondern ist zugleich auch ein florierendes Wirtschaftsunternehmen. Können die deutschen Vereine auch in sportlicher Hinsicht oftmals nicht mit ihrer Konkurrenz aus den anderen großen Ligen mithalten, in puncto Wirtschaftskraft muss sich die Bundesliga nicht verstecken.

Der Fußball boomt in Deutschland – und das nicht erst seit der Fußball-Weltmeisterschaft im vergangenen Jahr. Der Zuschauerschnit in der ersten Bundesliga liegt mit ca. 38.000 Besuchern pro Begegnung doppelt so hoch wie noch vor 20 Jahren und wird in Europa von keiner anderen Liga erreicht. Entscheidend mit dazu beigetragen haben zweifellos die vielen modernen Arenen, die im Vorfeld der Weltmeisterschaft entstanden sind und gerade für Familien einen sehr viel größeren Komfort bieten als die alten Stadien. Auch die erschwinglichen Eintrittspreise dürften eine Rolle spielen. Der durchschnittliche Ticketpreis in der Bundesliga liegt bei 19 Euro und ist damit deutlich niedriger als beispielsweise in England oder in Spanien.

Einnahmequellen
Die Haupteinnahmequelle der Vereine ist aber nicht der Verkauf der Eintrittskarten, wenngleich hier in der jüngsten Vergangenheit aufgrund des starken Besucherzulaufs und der deutlich gestiegenen Erlöse aus der Vermarktung von Logen und Business-Seats die größten Zuwächse erzielt werden konnten. In der Saison 2005/2006 blieben die Werbeeinnahmen (28 %) der wichtigste Ertragsbringer, vor den TV-Einnahmen (25,21 %) und dem Umsatzanteil, den die Vereine an den Spieltagen in ihren Stadien erwirtschafteten (23,46 %). Das Geschäftsmodell Profi-Fußball in Deutschland basiert damit auf einem breiten und ausgewogenen Einnahme- Mix und unterliegt nicht einseitigen Abhängigkeiten. Die übrigen europäischen Top-Ligen erzielen ihre Erträge dagegen vor allem aus der TV-Vermarktung. Spitzenreiter in der Saison 2004/05 war in dieser Hinsicht die italienische Serie A (55 % des Gesamtumsatzes); die anderen großen europäischen Ligen lagen alle zwischen 40 und 49 %.

Die Attraktivität des Fußballs in Deutschland bzw. des Bundesliga-Fußballs wird nicht zuletzt an den Werbeeinnahmen deutlich, die die Vereine in den letzten Jahren erzielen konnten. Die Bundesliga war in dieser Hinsicht sehr viel erfolgreicher als die anderen Ligen. Mehr noch: In den vergangenen Jahren sind die Werbeerlöse des Profi-Fußballs deutlich stärker gewachsen als der Werbemarkt insgesamt.

Alles in allem liegt die Bundesliga mit ihrem Gesamtertrag von 1,287 Milliarden Euro (Saison 2005/06) in Europa auf einem respektablen dritten Platz, hinter der Premier League in England mit 1,974 Milliarden Euro (Saison 2004/05) und der italienischen Serie A (1,336 Milliarden Euro), aber noch vor der spanischen Primera Division, die 2004/05 auf einen Gesamtertrag von 1,029 Milliarden Euro kam.

TV-Gelder
Besonders signifikant sind die Unterschiede zwischen der Bundesliga und den anderen großen Ligen im Bereich der TVEinnahmen. Das Tochterunternehmen des im Jahr 2000 ins Leben gerufenen Ligaverbandes, die Deutsche Fußball Liga GmbH, zählt zu ihren Hauptaufgaben die Vermarktung der Bundesliga und 2. Bundesliga im In- und Ausland. Mit dieser Aufgabe konnte sie betraut werden, weil sich die Vereine auf die zentrale Vergabe der Medienrechte geeinigt hatten – im Gegensatz etwa zur spanischen Primera Division, wo die Vereine die Spiele selbst vermarkten können. Im Rahmen eines solidarischen Verteilerschlüssels profitieren in Deutschland auch die schwächeren Clubs der ersten und der zweiten Liga von den in den letzten Jahren gestiegenen TV-Einnahmen. Der Abschluss der letzten TV-Verträge im Dezember 2005 bringt dem Ligaverband in den Spielzeiten 2006/07 bis 2008/09 immerhin die Rekordsumme von 1,32 Milliarden Euro ein. Damit liegt die Bundesliga zwar deutlich hinter der Premier League und den anderen großen Ligen. Dafür aber können die Fernsehzuschauer am Samstag, dem Bundesligahaupttag, bewegte Bilder im öffentlichrechtlichen Fernsehen schon 75 Minuten nach Spielende sehen. Ab der Saison 2009/10 wird der Unternehmer Leo Kirch, fünf Jahre nach dem Zusammenbruch seines Medienimperiums, mit seiner neugegründeten Firma Sirius als Zwischenhändler die Medienrechte an der Fußball-Bundesliga vermarkten, ohne sie allerdings zu erwerben. Zudem soll eine Gesellschaft gegründet werden, die fertige Bundesliga-Programme erstellen und den Bezahl-Sendern anbieten soll. Um die Auslandsvermarktung voranzubringen, ist ferner die Gründung einer Gesellschaft zur Vermarktung der Auslandsrechte vorgesehen. Die DFL erwartet eine Steigerung des Medienumsatzes auf rund 3,45 Milliarden Euro zwischen 2009 und 2015.

Vereine und Kapitalgesellschaften
Viele der Profiklubs der ersten und der zweiten Liga sind inzwischen Kapitalgesellschaften– häufig in der Rechtsform einer GmbH & Co. KGaA. Dies bedeutet aber nicht, dass externe Investoren die Geschicke des Klubs nach ihren Vorstellungen bestimmen können. Die Statuten der Vereine sehen vor, dass die Klubs in den ihnen vorgeschalteten Kapitalgesellschaften stets die Mehrheit der Stimmrechte halten. Hierfür gilt die Formel „50 Prozent plus x“.

Nicht nur, dass sich unter den eingetragenen Vereinen inzwischen auch viele Kapitalgesellschaften eingereiht haben; bei den Fußball-Klubs der Bundesliga und der 2. Bundesliga handelt es sich inzwischen um mittelständische Wirtschaftsunternehmen, die einer Stadt oder einer Region mitunter sehr viel Strahlkraft verleihen können. Insgesamt stehen bei den 36 Vereinen und Kapitalgesellschaften der beiden Ligen 3.419 Vollzeitangestellte, 778 Teilzeitangestellte und 4.589 Aushilfskräfte in einem direkten Arbeitsverhältnis (Saison 2005/06). Damit sind die Profi-Vereine auch als Steuerzahler keine vernachlässigbare Größe mehr. Die Bedeutung als Wirtschaftsfaktor wird zudem deutlich, wenn man die für die Konjunktur wichtigen Bauinvestitionen der Klubs betrachtet. So gaben die 36 Vereine im Vorfeld der Weltmeisterschaft gemeinsam mit ihren Partnern mehr als zwei Milliarden Euro für die Modernisierung oder den Bau der Stadien aus.

Im Unterschied zu den Vereinen der anderen großen Ligen haben die deutschen Klubs es verstanden, die Personalkosten in einem alles in allem noch moderaten Rahmen ansteigen zu lassen. In Relation zum Gesamtertrag blieben sie für die Bundesliga- Profis in der Saison 2005/06 erneut unter der 40-Prozent-Marke. Die englische Premier League kommt dagegen auf eine Quote von 59 %, die spanische Primera Division auf 64 % und die italienische Serie A auf 62 %. Den Bundesliga-Klubs ist es durch diese Mäßigung gelungen, ihr Eigenkapital in den letzten Jahren kontinuierlich zu erhöhen. Auch andere Zahlen sind erfreulich: Insgesamt haben in der Saison 2005/06 12 von 18 Erstliga-Klubs schwarze Zahlen geschrieben, also ein positives Ergebnis nach Steuern ausgewiesen.



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