Krise noch nicht ausgestanden
Noch immer ist nicht erkennbar, wie stark sich die Märkte von der noch
immer schwelenden Immobilienkrise in den USA und ihren Folgen für das
Finanzwesen beeindrucken lassen. Nach der Leitzinssenkung durch die
amerikanische Notenbank Fed vor einigen Wochen hatten die Aktienmärkte
weltweit zunächst euphorisch reagiert und beispielsweise den
Dow-Jones-Index auf einen neuen Rekordwert getrieben. Dieser guten
Stimmung lag auch die Hoffnung zugrunde, dass die Immobilienkrise doch
nicht so schlimme Folgen wie befürchtet zeitigen würde und die
Weltwirtschaft so robust wäre, dass auch eine kurzzeitige
Konjunkturschwäche in den USA sie nicht aus dem Tritt bringen würde.
Nachdem dann aber einige amerikanische Großbanken enttäuschende
Ergebnisse für das dritte Quartal veröffentlicht hatten und die Lage am
amerikanischen Immobilienmarkt sich noch einmal eintrübte, war es mit
der guten Laune der Anleger zunächst einmal wieder vorbei. Dämpfend auf
die Stimmung wirkte sich auch die Nachricht aus, dass derÖlpreis die
90-Dollar-Marke überschritten hatte.
Vor diesem Hintergrund
überrascht es nicht, dass der US-Dollar weiter unter Druck steht und im
Gegenzug der Euro an Stärke hinzugewinnt. Der Zinsvorsprung des Dollars
gegenüber dem Euro dürfte tendenziell geringer werden, da sowohl eine
weitere Zinssenkung durch die Fed möglich ist als auch eine
Zinserhöhung durch die Europäische Zentralbank (EZB) vorstellbar
erscheint – zumindest können Worte des Bundesbank-Präsidenten Axel
Weber in diese Richtung verstanden werden. Im Augenblick aber dürfte
die EZB noch zögern, liegt doch der Zins für Dreimonatsgeld ohnehin auf
einem sehr hohen Niveau. Sollte dieser aber wieder auf ein normales
Niveau zurückkommen, wird die EZB genau prüfen, ob Inflationsdruck
besteht und gegebenenfalls den Leitzins anheben.
Kritische Worte
musste sich die Volksrepublik China gefallen lassen. In der
Abschlusserklärung der G7-Finanzminister und Notenbankchefs wurde
Peking ermahnt, angesichts seines hohen und steigenden Überschusses in
der Leistungsbilanz sowie der hohen Inflationsrate die Aufwertung
seines Wechselkurses zuzulassen. Bislang stellt die chinesische
Notenbank durch permanente Interventionen sicher, dass der Yuan
unterbewertet bleibt. In 26 Monaten, seitdem er im Juli 2005 an einen
Währungskorb gebunden wurde, hat der Yuan gegenüber dem US-Dollar
gerade einmal 9 % an Wert gewonnen.