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Newsletter 12/2007

IM FOKUS: IWF und Weltbank - neue Herausforderungen

Mehr als 60 Jahre nach ihrer Gründung werden der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Weltbank mit rapiden Veränderungen der Weltwirtschaft konfrontiert. Nicht nur der Aufstieg von Schwellenländern wie China, Indien oder Brasilien hat den beiden Washingtoner Institutionen ein Stück weit die Geschäftsgrundlage entzogen. Und dennoch: IWF und Weltbank werden auch in der Zukunft noch wichtige Aufgaben zu erfüllen haben.

Die diesjährige Washingtoner Herbsttagung der beiden Institutionen stand ganz im Zeichen der Immobilien- und Finanzmarktkrise in den USA und ihrer Auswirkungen auf die Weltwirtschaft. Über die Reform von IWF und Weltbank wurde dagegen eher am Rande gesprochen – und ohne dass greifbare Ergebnisse erzielt worden wären. Spiegelt diese Vernachlässigung den gegenwärtigen Stellenwert dieser beiden Einrichtungen wider? Entsprechen ihre Aufgaben und Funktionen noch den Gegebenheiten der internationalen Wirtschafts- und Finanzbeziehungen?

IWF – von Bretton Woods bis in die Gegenwart
Der IWF wurde 1944 als multilaterale Institution mit der Aufgabe ins Leben gerufen, zur Stabilität der internationalen Währungsbeziehungen beizutragen und so gute Bedingungen für eine gedeihliche wirtschaftliche Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg zu ermöglichen. Im Wechselkurssystem von Bretton Woods bestand seine Aufgabe darin, Ländern zur Seite zu springen, die in vorübergehende Zahlungsbilanzschwierigkeiten geraten waren, indem er ihnen überbrückend Kredite zur Verfügung stellte. Nach dem Ende von Bretton Woods und dem Übergang zu flexiblen Wechselkursen besteht die Mission des IWF nun vorrangig darin, die Ausbreitung von nationalen Währungskrisen in eine Weltfinanzkrise zu verhindern, das Entstehen von nationalen Währungskrisen von vornherein zu vermeiden und Länder, die in eine Währungskrise geraten sind, zu unterstützen, aus dieser Krise wieder herauszukommen. Zudem stellt der Internationale Währungsfonds einen institutionellen Rahmen bereit, um internationale Währungsprobleme zu erörtern.

Noch in den neunziger Jahren hat der IWF im Zuge der Währungskrisen in Mexiko und später in Asien und Russland eine wichtige, wenngleich nicht unumstrittene Rolle gespielt. Indem er den durch massiven Kapitalabzug in Schwierigkeiten geratenen Staaten mit umfangreichen Krediten zur Hilfe kam, die wiederum an die Umsetzung eines makroökonomischen Stabilisierungsprogramms gebunden waren, zog er einerseits die Kritik auf sich, den Staaten zu rigide und häufig kontraproduktive Reformmaßnahmen abzuverlangen, andererseits aber auch den Vorwurf, durch seine nachträgliche Intervention Investoren zum Ausblenden von Risiken und Regierungen zu einer nachlässigen Wirtschaftspolitik verleitet zu haben.

Neue Aufgabenfelder
Das Hilfspaket für Argentinien im Jahre 2001 war eines der letzten großen Kreditprogramme des Internationalen Währungsfonds. Seitdem hat sich einiges verändert. Die meisten Schuldner haben ihre Kredite inzwischen getilgt – mit der Folge, dass der IWF durch die ausbleibenden Zinszahlungen seiner wesentlichen Einnahmequelle beraubt worden ist und inzwischen eine Reform der IWFFinanzen diskutiert wird. Doch nicht nur das: Da viele Schwellenländer inzwischen über einen relativ stabilen Zugang zu privaten Kapitalmärkten verfügen und zugleich große Devisenbestände angesammelt haben, scheint es, als könnten auch zukünftig auf den IWF als Kreditgeber verzichten. Zumal dann, wenn andere Staaten sich als alternative Finanzierungsquelle betätigen sollten.

Der IWF muss hierauf reagieren und sein Aufgabenfeld möglicherweise neu definieren. Allerdings sollte er sich auch nicht vorschnell von bisherigen Aufgaben lossagen. Es ist durchaus denkbar, dass einzelne Länder schon bald wieder die Hilfe des IWF in Anspruch nehmen möchten. Als Kreditgeber wird er auch zukünftig noch fungieren. Eine der wesentlichen Aufgaben der Zukunft werden darüber hinaus die Analyse und Bewertung von Währungsrisiken und die Signalisierung sich anbahnender Währungskrisen im Rahmen eines Frühwarnsystems sein. Schon heute trägt der Fonds mit seinen Publikationen und Länderberichten zu einer Analyse der weltwirtschaftlichen Situation und der Währungsrisiken bei. Der IWF sollte ferner seinen Einfluss dahingehend geltend machen, dass sich Länder stabilitätsbewusst verhalten und entsprechende institutionelle Vorkehrungen treffen.

Reformbedarf
Will der IWF allerdings auch zukünftig auf breite Akzeptanz stoßen und eine wichtige Rolle bei der Regulierung der internationalen Finanzmärkte spielen, so ist eine institutionelle Reform unumgänglich. Damit ist in erster Linie eine neue Berechnungsformel für Quoten und Stimmrechte verbunden. Die Quoten bestimmen die Einzahlungspflichten eines Landes, die ihm im Krisenfall zur Verfügung stehende Kreditsumme und seinen Stimmanteil. Sie werden gegenwärtig anhand von fünf Formeln errechnet, die verschiedene wirtschaftliche Kennziffern in unterschiedlicher Gewichtung einbeziehen. Das Ergebnis stellt jedoch lediglich eine Diskussionsgrundlage dar. Letzten Endes ist die tatsächliche Quote das Resultat langwieriger Verhandlungen. Und so sind die meis-ten Staaten sowohl gemessen an ihrer errechneten Quote als auch an ihrem derzeitigen Anteil am globalen Bruttoinlandsprodukt (BIP) derzeit über- oder unterrepräsentiert.

Unterrepräsentiert sind vor allem einige wichtige Schwellenländer. Zwar wurde die Quote einzelner Staaten während der Jahrestagung von IWF und Weltbank 2006 in Singapur leicht angehoben – heftig gerungen wird allerdings noch um einen neuen Quotenschlüssel und die Sitze im Exekutivdirektorium. Die Diskussion um den neuen Verteilungsschlüssel offenbart divergierende Interessenstrukturen zwischen kleinen und großen Volkswirtschaften sowie zwischen Industriestaaten und Schwellen- oder Entwicklungsländern im IWF. Es bleibt abzuwarten, ob sich die IWF-Mitglieder bis zum Herbst 2008 auf eine neue Berechnungsformel einigen können.

Weltbank – neue Fragen
Der Reformdruck, der auf der Weltbank lastet, ist nicht ganz so groß wie im Falle des IWF. Nach Beendigung der sich monatelang hinziehenden Personalquerelen (Weltbank-Präsident Wolfowitz wurde schließlich durch Robert Zoellick abgelöst) muss sich die Bank nun aber wieder verstärkt inhaltlichen Aspekten zuwenden. Die Aufgabe der Weltbank, die fünf Organisationen mit einer jeweils eigenen Rechtspersönlichkeit umfasst, besteht darin, die wirtschaftliche Entwicklung vonärmeren Mitgliedsländern durch finanzielle Hilfen, durch Beratung und technische Hilfe zu fördern.

Die Bank wird sich unter anderem mit der Frage befassen müssen, ob und, wenn ja, in welcher Form sie noch in Schwellenländern, die keine Kredite mehr benötigen, zukünftig präsent sein wird. Viele andere Länder werden weiter auf Kredite und Zuschüsse angewiesen sein, aber auch hier sind viele Fragen ungeklärt, ist doch der tatsächliche Nutzen der verliehenen Gelder nicht in jedem Fall unumstritten. Muss mehr Hilfe in Form von Zuschüssen gewährt werden, zumindest in bestimmten Sektoren? Sind die Konditionen und Kreditbedingungen angemessen? Wie reagiert die Bank auf „neue Geber“ in der Entwicklungszusammenarbeit, wie China und Indien, die besonders in Afrika verstärkt auftreten? Entscheidend für die Zukunft der Bank wird auch ihre Rolle im Umwelt- und Ressourcenschutz sein. Das gilt ganz besonders für ihren Beitrag zur Anpassung an den Klimawandel in Entwicklungsländern und im Energiebereich

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