Der Dubai-Schock
Ende November kam es zu einem Paukenschlag an den internationalen Finanzmärkten: Auslöser war die Nachricht, wonach das Golfemirat Dubai die Gläubiger seiner Holding Dubai World um Zahlungsaufschub gebeten hat. Auch wenn eine solche Nachricht durchaus imstande ist, Märkte und Kurse durcheinanderzuwirbeln, blieb das große Beben aber aus. Im Gegenteil: Die Weltbörsen haben den Dubai-Schock gut verkraftet. Trotz der Belastung vom Persischen Golf hatte der Dax in der Woche nach der Hiobsbotschaft um rund 3 Prozent zulegen können und damit in der europäischen Wochentendenz gelegen. Dabei hat eine wesentliche Rolle gespielt, dass die Zahlungsaussetzung für sich genommen nicht unbedingt dramatisch war, die Schulden Dubais überschaubar sind und die Verflechtung mit den Finanzmärkten in Europa und Amerika nicht allzu groß ist. Und dennoch: Die Märkte sind in der gegenwärtigen Situation, da in erster Linie die Vitalisierungsmaßnahmen der Notenbanken für einen breiten Kursanstieg seit März gesorgt haben, nicht zuletzt auf das Vertrauen der Anleger angewiesen. Und dies hätte leicht über Bord gespült werden können. So war der Dubai-Schock zumindest ein heilsamer Schuss vor den Bug, der die Anleger wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt hat.
Anfang Dezember dann erfreuten gute Nachrichten aus den Vereinigten Staaten die Anleger. Der überraschende Rückgang der Arbeitslosenquote und eine erhebliche Aufwärtsrevision der Zahl der Beschäftigten haben zu einer positiven Stimmung gegenüber amerikanischen Werten beigetragen. Bislang hatten gerade amerikanische Anleger mit ihren ins Ausland transferierten Geldern in diesem Jahr maßgeblich zur Hausse an den Aktienbörsen der Schwellenländer beigetragen und heimische Werte eher vermieden. Nun stehen auch die amerikanischen Aktienindizes S&P 500, Dow Jones oder Nasdaq auf Jahreshöchstständen. Ob auch der US-Dollar von dieser Stimmung wird profitieren können, gilt abzuwarten. Unmittelbar nach Bekanntgabe der Zahlen vom Arbeitsmarkt hat er zunächst an Wert gewinnen können.
Unterdessen hat die Europäische Zentralbank erste vorsichtige Signale für ein Ende ihrer bisherigen Geldpolitik während der Finanzkrise ausgesandt. Von einer abrupten Richtungsänderung kann aber keineswegs die Rede sein: Auch weiterhin werden sich die Banken zu niedrigen Zinsen refinanzieren können, wenngleich zukünftig nicht mehr in dem uneingeschränkten Maße wie bislang.