Flut von Staatsanleihen
Das turbulente Jahr 2009 ist vorüber, das Jahr 2010 hat begonnen – und wie immer bemühen sich die Anleger und Analysten um einen Blick nach vorne. Wie in jedem, so können aber auch in diesem Jahr alle der ohnehin nur vorsichtig angestimmten Prognosen bald wieder Makulatur sein – nicht zuletzt aufgrund der noch immer sichtbaren Folgen der Finanzmarktkrise. Anleger werden auch zu Beginn dieses Jahres mit Rahmenbedingungen konfrontiert, die es über Jahrzehnte im „normalen“ Marktgeschehen nicht gab: eine Notenbankpolitik, die den Liquiditätsbedarf der Banken fast vollständig deckt; Rekordemissionen am Markt für Staatsanleihen mit zunehmender Skepsis, was die Bonität selbst gestandener westlicher Nationen anbelangt; niedrige Kapitalmarktzinsen und deshalb die Suche nach höheren Renditen. Hinzu kommt, dass viele der Schwellenländer auch in der globalen Rezession allenfalls einen kurzen Wachstumseinbruch verzeichneten, jetzt aber wieder mit hohen Zuwächsen zu beeindrucken wissen.
Nach Angaben des Datenanbieters Dealogic erreichte das Emissionsvolumen an den globalen Anleihemärkten im vergangenen Jahr 6,11 Billionen Dollar. Davon entfielen 2,99 Billionen auf Unternehmensanleihen – ein Rekordvolumen in diesem Marktsegment. Aber auch Staatsanleihen wurden in großem Umfang angeboten. Im neuen Jahr – so die Prognose – dürfte es wieder eine Flut von Anleiheemissionen auf dem Markt für Staatspapiere geben. Der Finanzierungsbedarf der Schulden in den USA ist dabei noch größer als in Europa. Schon jetzt zeigt das große Angebot an Staatsanleihen Wirkung auf dem amerikanischen Markt: Die Zinsspanne zwischen zwei und zehn Jahren Laufzeit für amerikanische Staatsanleihen beträgt rekordverdächtige 2,8 Prozentpunkte. Während die Renditen für kurze Laufzeiten wegen der von der amerikanischen Notenbank nicht veränderten Leitzinsen extrem niedrig blieben, steigen die Renditen am langen Ende. Der Grund dafür liegt in der Angst der Anleger vor einer ausufernden amerikanischen Staatsverschuldung.
Und die Aktienmärkte? 2009 hat die Kombination von nahezu kostenloser Liquidität und wirtschaftlicher Stabilisierung seit dem Frühjahr zu einer enormen Hausse geführt. Der deutsche Aktienindex Dax hat im letzten Jahr fast 25 Punkte zugelegt – seit dem Krisentief im März sogar um knapp 65 Prozent. Kann es aber so weitergehen? Viele Analytiker sind skeptisch.