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Newsletter 02/2010

Die griechische Misere

Ein Land hält gegenwärtig die Anleger, vor allem aber die anderen Mitgliedstaaten der Euro-Zone in Atem: Griechenland. Der Mittelmeerstaat hat sein Haushaltsdefizit 2009 von 6 auf 12,7 Prozent erhöht und auch aufgrund seiner wiederholt geschönten Haushaltsbilanzen viel Vertrauen an den Kapitalmärkten und innerhalb der EU verspielt. Nachdem sich jetzt fast alle Staaten auf der Welt im Kampf gegen den Konjunktureinbruch stark verschuldet haben und Anleger brauchen, die ihnen Geld leihen, fällt Griechenlands Schwäche besonders ins Gewicht. 50 Milliarden Euro muss das Land in diesem Jahr am Kapitalmarkt aufnehmen, um fällig werdende Anleihen abzulösen und neue Schulden zu refinanzieren. Die Nervosität ist groß, dass Griechenland keine Geldgeber findet.

Die enttäuschende fünfjährige Anleiheemission über 8 Milliarden Euro in der letzten Januar-Woche hat denn auch deutlich gemacht, auf welche Schwierigkeiten das Land gegenwärtig stößt. Zwar hatten die Investoren 25 Milliarden Euro nachgefragt, aber Griechenland musste auch einen Zinskupon von 6,1 Prozent bieten. Die Rendite zehnjähriger Anleihen schnellte nach der Platzierung des jüngsten Schuldtitels auf 7,16 Prozent in die Höhe – im Vergleich dazu liegt die Rendite deutscher Bundesanleihen bei 3,19 Prozent. Die Gefahr besteht nun, dass sich die hoch verschuldeten Länder – zu ihnen zählen auch Italien, Spanien, Portugal und Irland – immer kurzfristiger und immer teurer refinanzieren müssen und dadurch ihre Schuldensituation weiter verschlechtern. Verschiedene Beobachter halten es sogar für möglich, dass Griechenland seinen Zugang zu den Kapitalmärkten verliert und dass dann eine internationale Rettungsaktion erforderlich wird. Um ein derartiges Szenario abzuwenden und die Märkte zu beruhigen, hat die EU-Kommission Griechenland unter ihre finanzpolitische Kuratel gestellt und der Athener Regierung ein rigoroses Kürzungsprogramm verordnet. Allerdings birgt eine rigide Sparpolitik auch das Risiko, den nun erforderlichen wirtschaftlichen Aufschwung abzuwürgen.

Die Sorgen um Griechenland haben dazu beigetragen, dass sich der US-Dollar gegenüber dem Euro weiter erholen konnte. Ende Januar stand der Euro bei unter 1,40 Dollar und kostete damit mehr als 10 Cent weniger als noch acht Wochen zuvor. Neben der finanzpolitischen Misere in einigen Euro-Staaten werden auch die besseren Wachstumszahlen in den USA als wichtiger Grund für die Prognose genannt, dass die Talfahrt des Dollars nach der Lehman-Pleite (Oktober 2008) endgültig vorbei ist.