Unternehmen kehren zurück
Deutsche Unternehmen, die Produktionsstätten ins Ausland verlagern, um dort kostengünstiger zu produzieren, sind ein geläufiges Bild der Globalisierung. Diese Internationalisierung der Wertschöpfungskette wird allerdings oftmals kritisch gesehen, da aufgrund des hohen Lohnniveaus in Deutschland ein massenhafter Exodus deutscher Industrieunternehmen befürchtet wird. Übersehen wird dabei allerdings, dass die (Teil-)Auslagerung der Produktion häufig der Erschließung neuer Märkte geschuldet ist und auch dazu dient, die Wettbewerbsfähigkeit des in Deutschland verbleibenden Unternehmensteils zu sichern. Und was mitunter ebenfalls aus dem Blick gerät: Der deutsche Wirtschaftsstandort ist trotz hoher Lohnkosten von großer Attraktivität für die Unternehmen.
Dies wird gegenwärtig auch daran deutlich, dass die Zahl derjenigen Industriebetriebe, die Teile ihrer Produktion ins Ausland verlegen, gesunken ist, während zugleich die Zahl der Unternehmen zugenommen hat, die in die Heimat zurückkehren. So ist die Verlagerungsquote zwischen 2004/2006 und 2007/2009 um 40 Prozent gefallen. Und erstmals überhaupt gingen die Verlagerungen während einer Wirtschaftskrise zurück. Das zeigt eine jüngst veröffentlichte Studie des Fraunhofer- Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI) im Auftrag des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI). Inzwischen kommt auf ein verlagerndes Unternehmen ein Rückkehrer. Hauptmotiv für die Rückkehr in die Heimat sind Qualitätsmängel der im Ausland hergestellten Produkte, die auch ein Ergebnis der meist niedrigeren Qualifikation des Personals an den Produktionsstandorten sind. Lieferprobleme der ausländischen Fabriken, hohe Transportkosten sowie steigende Löhne mindern zusätzlich die Attraktivität so mancher ausländischer Standorte und machen in vielen Fällen eine Rückkehr nach Deutschland lohnenswert.