Rohstoffpreise steigen auf breiter Front
Die Preise für Rohstoffe steigen — und ein Ende ist nicht absehbar. Denn es sind meist langfristige Trends, die für Druck an der Preisfront sorgen. So etwa der sogenannte China-Faktor: Der ungebremste Wirtschaftsboom im Reich der Mitte sorgt dafür, dass die Nachfrage nach Industriemetallen wie Kupfer in den letzten Jahren deutlich angezogen hat, wobei allein auf China 30 Prozent des weltweiten Kupferverbrauchs entfallen. Die Minenproduktion hat mit dieser Nachfrage im vergangenen Jahrzehnt nicht mithalten können. Das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung erwartet einen weiter steigenden Verbrauch von Kupfer infolge der zunehmenden Verbreitung von Elektro- und Hybridfahrzeugen. Die gegenwärtig bekannten Kupferreserven, so das Institut weiter, seien bis 2035 abgebaut. Danach müssten Ressourcen erschlossen werden, die deutlich schwieriger und kostenintensiver auszubeuten seien.
Auch im Agrarbereich stellt die wachsende Nachfrage der Schwellenländer, darunter China, eine der Hauptursachen für die gestiegenen Preise dar. Insgesamt sind die Getreideimporte der Schwellenländer in den vergangenen 20 Jahren um 30 Prozent gestiegen. Dies ist zum einen auf die wachsende Bevölkerung zurückzuführen, zum anderen aber auch der Tatsache geschuldet, dass das gestiegene Einkommen zu einem höheren Fleischkonsum in diesen Ländern geführt hat. Jährlich verschlingt die Tiermast fast 40 Prozent der Getreideernte und sogar 70 Prozent der Sojaernte. Doch nicht nur die Nachfrage muss in den Blick genommen werden; auf der Angebotsseite lassen sich ebenfalls Gründe für den Preisanstieg finden. So nimmt die landwirtschaftlich genutzte Fläche von Jahr zu Jahr ab, ohne dass die Produktivität der bewirtschafteten Felder in gleichem Maße wachsen würde. Die Verwendung von Agrarrohstoffen als Biosprit sowie Missernten infolge von Überschwemmungen und Dürren haben das ihre dazu beigetragen, dass die Preise für Agrargüter und Nahrungsmittel zugelegt haben. Dass sich Rohstoffe obendrein zunehmend zu einer interessanten Anlageklasse für Investoren entwickelt haben, hat zur Stabilität der Preise nicht gerade beigetragen.