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Newsletter 12/2011

Im Fokus: Der Mittelstand in Deutschland

Der Mittelstand in Deutschland gilt vielen nicht nur als Inbegriff der deutschen Unter­nehmenslandschaft, sondern auch als Herzstück der Sozialen Marktwirtschaft. Tatsächlich haben gerade mittelständische Unternehmen in den vergangenen Jahren ­wesentlich zu den Exporterfolgen der deutschen Volkswirtschaft beigetragen.

Umso weniger dürfte es überraschen, dass Forderungen nach einer Stärkung des Mittelstandes in kaum einer wirtschaftspolitischen Rede fehlen. Die Rahmenbedingungen für kleine und mittlere Unternehmen so zu gestalten, dass sie ihr Entwicklungs- und Innovationspotenzial voll entfalten können, ist aber auch jenseits bloßer Rhetorik eine sinnvolle und notwendige Aufgabe.

Wer zählt zum Mittelstand?

Wer aber zählt eigentlich zu den mittel­ständischen Unternehmen? Für Deutschland existiert keine einheitliche verbindliche Mittelstandsdefinition. Die Bundesregierung bekennt sich zu einem flexiblen Mittelstandsbegriff und orientiert sich an der Definition des Instituts für Mittelstandsforschung in Bonn (IfM). Danach haben mittelständische Unternehmen

  • maximal 500 Beschäftigte, wobei Auszubildende nicht gewertet werden, und
  • einen maximalen Umsatz von 50 Millionen Euro im Jahr.


Als qualitativer Gesichtspunkt wird obendrein noch die Einheit von Eigentums- und Leitungsrechten in der Person des Unternehmers / der Unternehmerin (bzw. seiner / ihrer Familie) mit herangezogen.Seit Jahresbeginn 2005 gibt es darüber hinaus eine Definition der EU-Kommission, die bindend für europäische KMU-Förderprogramme ist. Ihr zufolge liegt die Beschäftigtenobergrenze bei 250, der maximale Umsatz ebenfalls bei 50 Millionen Euro im Jahr. Alternativ zum Umsatz kann auch die Bilanzsumme herangezogen werden; diese darf 43 Millionen Euro nicht übersteigen.

Motor der deutschen Wirtschaft

Legt man die Definition des IfM zu Grunde, sind 99,7 Prozent aller Unternehmen in Deutschland mittelständische Unternehmen. Diese tätigen mehr als 38 Prozent aller steuerpflichtigen Umsätze, tragen mit fast 49 Prozent zur Nettowertschöpfung aller Unternehmen bei und stellen rund 60 Prozent der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze. Den Mittelstand zum Rückgrat und Motor der deutschen Wirtschaft zu erklären ist angesichts dieser Zahlen, vor allem aber angesichts der großen Innovationsfreude, die viele mittelständische Unternehmen auszeichnet, nicht übertrieben. Zugleich steht der Mittelstand aber vor ganz besonderen Herausforderungen, die für seinen wirtschaftlichen Erfolg von zentraler Bedeutung sind. Zu diesen Herausforderungen zählen neben der Wahrung seines Innovationspotenzials der Fachkräftemangel, das Thema Unternehmensnachfolge, die Finanzierung, Marktchancen im Ausland, der Zugang zu Rohstoffen und der Bürokratieabbau.

Unternehmensnachfolge

Mehr als jeder dritte Unternehmer hat große Schwierigkeiten, den richtigen Nachfolger für seinen Betrieb zu finden. Damit sind beim Betriebsübergang jedes Jahr 50.000 Arbeitsplätze gefährdet.­ Denn der Generationswechsel im deutschen Mittelstand ist ein neuralgischer Punkt im Unternehmerleben. Gelingt es nicht, die richtige Frau oder den richtigen Mann zu finden, steht der Betrieb samt Arbeitsplätzen vor dem Aus. Die Suche nach neuen Unternehmenslenkern wird dabei in den nächsten Jahren noch schwieriger werden. Durch die demografische Entwicklung müssen immer mehr Betriebe den Generationswechsel meistern – und das bei einer sinkenden Zahl von potenziellen Nachfolgern.

Fachkräftemangel

Zunehmend dürfte der Fachkräftemangel zu einem Problem für den Mittelstand in Deutschland werden – in Teilen ist er es bereits geworden. Umfragen und Studien belegen, dass es mittelständischen Unternehmen immer schwerer fällt, ihre Stellen zu besetzen, und einige sogar erhebliche Umsatzeinbußen prognostizieren, weil sie fürchten, mangels Personal Aufträge ablehnen zu müssen. Probleme gibt es vor allem bei der Gewinnung von qualifizierten Mitarbeitern mit Berufsabschluss und hier insbesondere im verarbeitenden Gewerbe und im Gesundheitssektor. Fachkräftesicherung als strategisches Thema hat daher längst Einzug in den Mittelstand gehalten, zumal sich die Probleme weiter zuspitzen dürften.

Spitze der Größenpyramide zunehmend dichter besetzt
Etwa 9.400 Unternehmen bilden den „gehobe­nen Mittelstand“– ein Kernsegment des Unternehmenssektors in Deutschland. Er umfasst rd. 9.200 Firmen im Umsatzgrößenbereich 50 bis 1.000 Mio. €. Hinzu kommen etwa 200 Firmen, die in den letzten Jahren in die Gruppe der Umsatzmilliardäre aufgestiegen sind – meist etablierte, international renommierte Familiengesellschaften.

Rohstoffknappheit
Fast die Hälfte der mittelständischen Unternehmen in Deutschland geht davon aus, dass der weltweit steigende Bedarf an natürli­chen­­ Ressourcen die Wirtschaftsleistung in Deutschland bremsen wird. Das größte Problem für viele Unternehmen sind dabei nicht einmal die geringer werdenden Vorräte: Schwerer wiegen für viele die Finanzspekulationen an den Rohstoffmärkten sowie insta­bi­le Verhältnisse in den Förderländern, da beide Faktoren kaum zu kalkulieren sind. Dies ist das Ergebnis der Studie „Rohstoffe und Energie: Risiken umkämpfter Ressourcen“ der Initiative Unter­neh­­merPerspektiven. Viele der befragten Mittelständler vertrau­en aber auf ihre Ingenieurskunst und Innovationskraft, um mit der Herausforderung knapper Rohstoffe fertig zu werden. Mehr als die Hälfte der Befragten glaubt, dass sich die Knappheit und die Preissteigerungen bei Rohstoffen und Energie als Innovationstreiber erweisen werden.

Finanzierung

Die Mittelstandsfinanzierung durchläuft eine Phase der Neuori­­en­­­tierung, da neben dem klassischen Bankkredit alternative Fi­­nan­zie­rungen zunehmend an Bedeutung für deutsche Unternehmen ge­winnen. Bankkredite bleiben zwar der wichtigste Baustein in den­ Finanzierungskonzepten der Mittelständler; sie werden in Zu­­kunft aber flexibler und gezielter eingesetzt, da sie potenziell teurer werden und angesichts eines sich verändernden Investitions- und Risikoprofils der Unternehmen in manchen Fällen nicht mehr das optimale Instrument darstellen. Stärker in den Vordergrund dürf­ten­ eigene Mittel rücken, die über die Innenfinanzierung und seitens externer Kapitalgeber ins Unternehmen fließen. Aber auch Kapitalmarktprodukte wie Anleihen und Schuldscheindarlehen werden im Bereich der Fremdfinanzierung weiter an Bedeutung ge­winnen.­ Dass die Zahl der größeren Mittelständler deutlich steigt, wird diesen Trend zur Kapitalmarktfinanzierung noch weiter verstärken.

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