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Festrede zur Preisverleihung des Schülerwettbewerbs

Es gilt das gesprochene Wort.

Prof. Dr. Manfred Weber
Geschäftsführender Vorstand des Bundesverbandes deutscher Banken

Berlin-Brandenburgische Akademieder Wissenschaften, Berlin


Liebe Schülerinnen und Schüler,
sehr geehrte Frau Hofmann,
meine sehr geehrten Damen und Herren,

„Unternehmerische Einstellungen und Fertigkeiten können am besten durch Learning by doing und die konkrete unternehmerische Erfahrung im Rahmen von Praxisprojekten und -aktivitäten, gefördert werden.“

Dieser Satz stammt nicht von mir, er steht vielmehr in einem Papier der EU-Kommission, in dem sie anregt, unternehmerisches Denken und Handeln an den Schulen zu fördern.

Ein guter Gedanke, wie ich meine. Denn Unternehmergeist bedeutet ja nichts anderes als Initiative zu entwickeln, auf die eigenen Kräfte zu vertrauen, Ideen in die Tat umzusetzen und dabei Verantwortung zu übernehmen.

In dem eben gezeigten Film, in dieser eindrucksvollen Präsentation unserer jungen Banker, habe ich lauter Schülerinnen und Schüler gesehen, die genau das erfahren haben.

Ich freue mich sehr, dass Sie alle mit so viel Einsatz, und – wie unschwer zu erkennen war – auch mit so viel Begeisterung und Spaß bei SCHUL/BANKER dabei waren. Und heute sind wir nun hier, um Ihren Erfolg zu feiern.
Liebe Schülerinnen und Schüler, Sie haben sich in den vergangenen Monaten – und besonders noch einmal in den letzten drei Tagen – intensiv damit beschäftigt, ein Unternehmen, eine Bank, zu führen.

Das haben Sie in einer Zeit getan, in der der Finanzsektor weltweit in massive Turbulenzen und eine ernste Krise geraten ist. Eine Krise, in der ohne Zweifel auch Banken Fehler zu verantworten haben. Wenngleich wir damit nicht alleine stehen und sich auch andere Akteure Versäumnisse zuschreiben lassen müssen, möchte ich doch ausdrücklich sagen: Jeder Fehler, den Banken im Zusammenhang mit der Finanzkrise begangen haben, ist ein Fehler zu viel.

Bei der Bekämpfung der Krise muss nun zu Mitteln gegriffen werden, die unter normalen Bedingungen nicht mit den Prinzipien einer Marktwirtschaft in Einklang zu bringen sind. Bei alldem, was nun notwendig ist, müssen wir aber darauf achten, dass das Kind nicht mit dem Bade ausgeschüttet wird.

Das heißt insbesondere, dass die Soziale Marktwirtschaft nicht in Frage gestellt ist. Auch in der Sozialen Marktwirtschaft hat der Staat eine Aufgabe: nämlich die Regeln zu setzen und deren Einhaltung zu überwachen. Das Geschäft aber sollte der Staat den Unternehmen, dem Wettbewerb überlassen.
Wettbewerb haben Sie, liebe Schülerinnen und Schüler, im Planspiel hautnah erlebt: Morgens Schulbank und nachmittags Chefsessel. Das war nicht ohne. Es hieß, sich die Zeit gut einzuteilen und den Kopf frei zu haben für Bilanzanalysen, Planungen und Geschäftsentscheidungen. Eben: Unternehmergeist zu beweisen.

Natürlich wollten alle Teams ins Finale. Sie, liebe Schülerinnen und Schüler, haben diese Hürde genommen. Zu dieser Leistung möchte ich Ihnen allen an dieser Stelle schon einmal sehr herzlich gratulieren.

Wie haben Sie das geschafft? Nun, zunächst kam es auf ein gutes und verlässliches Team an.
Dann brauchten Sie eine Strategie für Ihre Bank, ein Geschäftsmodell. Eine Kernfrage, wie Sie im Verlauf des Wettbewerbs sicher immer wieder gemerkt haben.

Dabei waren viele Fragen zu beantworten: Welche Kunden wollten Sie mit welchen Produkten erreichen? Wie mussten Sie Ihre Konditionen setzen, um sich gegenüber Ihrer Konkurrenz zu behaupten und einen Gewinn zu erwirtschaften? Und wie lief die Konjunktur, was tat sich an der Börse? Auch dies galt es im Blick zu haben.

Und nicht zuletzt: Wie stand es um Ihre Mitarbeiter? Waren sie qualifiziert und motiviert?

Es gab also viel Stoff für Ihre Vorstandssitzungen. Ich kann mir lebhaft vorstellen, dass es da hin und wieder hoch herging. Denn Ihre Entscheidungen sollten ja möglichst alle im Team mittragen – besonders für den Fall, dass die Ergebnisse einmal nicht so ausfielen wie erwartet. Dass all das viel leichter gesagt ist als getan, das wissen Sie heute aus eigener, praktischer Erfahrung.

Meine Damen und Herren, ich bin immer wieder beeindruckt, mit welchem Engagement Jugendliche bei SCHUL/BANKER dabei sind, mit welcher Ausdauer sie sich in das ihnen ja völlig neue Themenfeld einarbeiten – ein äußerst komplexes Themenfeld überdies.

Und das nicht nur in der Schule, sondern vor allem auch in ihrer Freizeit. Dies mag auch die Jury von „365 Orte im Land der Ideen“, einer unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten stehenden Veranstaltungsreihe der Standortinitiative „Deutschland – Land der Ideen“ dazu bewegt haben, unser Planspiel auszuzeichnen. Doch dazu später mehr.

Wir beim Bankenverband freuen uns über die hohe Resonanz sehr, ist sie doch auch ein Beleg, wie groß bei Schülern das Interesse an Wirtschaftsthemen ist.

Das bestätigen auch die von uns durchgeführten repräsentativen Jugendstudien. Danach wünschen sich 80 % der Schüler, dass Wirtschaft in der Schule stärker vermittelt werden sollte.
Nach meiner Einschätzung ist dieses Interesse für die Zukunft der jungen Leute von großer Bedeutung. Denn die Welt von heute ist ohne wirtschaftliches Grundwissen kaum mehr zu verstehen. Wirtschaftliches Grundwissen ist Lebenskunde.

Jürgen Jeske und Hans Barbier, zwei namhafte Wirtschaftsjournalisten der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, haben dies einmal sehr plastisch beschrieben. Ich zitiere:

„Wirtschaft prägt unseren Alltag. Am Arbeitsplatz oder zu Hause, beim Geldverdienen oder Geldausgeben, beim Sparen oder Investieren, als Arbeitnehmer wie als Arbeitgeber, als Mieter wie als Vermieter, als Patient wie als Arzt, als Kind mit Taschengeld wie als Rentner – alles ist Wirtschaft.“
Und weiter: „Leben heißt Wirtschaften, heißt Auswählen angesichts der Unbegrenztheit unserer Bedürfnisse und Wünsche und der Knappheit der Mittel.“ So weit das Zitat.

Und noch ein weiterer Aspekt spielt hier eine Rolle. Sie, liebe Schülerinnen und Schüler, werden in nicht allzu ferner Zukunft Verantwortung übernehmen: Verantwortung für sich selbst, aber auch Mitverantwortung für die Gemeinschaft, für die Gesellschaft, in der Sie leben, die Sie sind.

Deshalb ist es auch wichtig, dass Sie wissen, nach welchen Regeln die Soziale Marktwirtschaft, unsere Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung, funktioniert und welche Wert-vorstellungen ihr zugrunde liegen.
Erst im vergangenen Jahr haben wir den 60. Geburtstag der Sozialen Marktwirtschaft gefeiert – aber kennen Schüler das Fundament und die tragenden Pfeiler unseres Wirtschaftssystems? Kennen sie dessen wichtigste Akteure?

Ich habe da meine Zweifel. Immerhin hat fast die Hälfte der jungen Leute (46 %) keine bestimmte Vorstellung von dem, was „Soziale Marktwirtschaft“ eigentlich bedeutet.

Und auch sonst ist es um ihr ökonomisches Wissen nicht allzu gut bestellt. So ist zum Beispiel nicht einmal ein Drittel – nämlich nur 28% – der Jugendlichen in der Lage, das Prinzip von „Angebot und Nachfrage“ auch nur annähernd richtig zu erläutern. Auch dies Ergebnisse unserer jüngsten Studie.
Vor diesem Hintergrund gilt es umso mehr, Jugendliche systematisch mit dem Thema Wirtschaft vertraut zu machen. Wo aber soll die Vermitt-lung dieses Wissens stattfinden, wenn nicht in der Schule?

In den vergangenen Jahren ist viel über die ökonomische Bildung im Schulunterricht diskutiert worden. Der Bankenverband hat in dieser Debatte stets eine klare Position vertreten: Wir fordern seit langem ein eigenständiges und verpflichtendes Schulfach Wirtschaft.

Um unserem Anliegen stärkeres Gewicht zu verleihen, haben wir vom Institut für Ökonomische Bildung an der Universität Oldenburg eine „Konzeption für die ökonomische Bildung“, ein Curriculum, erstellen lassen. Darin werden die Kompetenzen und Inhalte, die in einem Fach Wirtschaft vermittelt werden sollten, für alle Jahrgangsstufen aufgezeigt, altersgerecht von der Grundschule bis zum Abitur.

Und da wir hierfür entsprechend ausgebildete Lehrer brauchen, umfasst diese Konzeption auch einen Vorschlag für den Aufbau eines Bachelor- und Master-Studiengangs „Ökonomische Bildung“.

Mit diesem Konzept sind wir auf viel Zustimmung gestoßen – von der EU-Kommission über das Wirtschafts-ministerium und wichtige Wirtschaftsverbände bis hin zu den Verbraucherzentralen. Um nur einmal das Spektrum derjenigen aufzuzeigen, die sich jenseits der Kultusministerien mit dem Thema befassen.
Und auch die Eltern und Schüler bewerten unser Anliegen positiv: Fast 80 % der Jugendlichen und über 80 % der Erwachsenen befürworten laut einer repräsentativen Umfrage ein eigenständiges Schulfach Wirtschaft. Das ist viel Rückenwind.

Natürlich hält man uns bei Diskussionen über unser Curriculum immer wieder entgegen, Wirtschaft werde ja bereits in der einen oder anderen Form in anderen Fächern unterrichtet und angesichts der bestehenden Lehrpläne gäbe es keine freien Kapazitäten, um ein neues Fach einzugliedern.

Aus meiner Sicht ist das aber nicht überzeugend, denn Bildungsinhalte, Lehrpläne, sind schließlich nicht unwiderruflich festgelegt. Im Gegenteil, sie müssen immer wieder auf den Prüfstand.
Wir, meine sehr geehrten Damen und Herren, haben in der Schule doch auch anderes gelernt als unsere Eltern.

Wenn wir ökonomische Bildung als Allgemeinbildung verstehen – und die Kultusministerkonferenz hat dies ausdrücklich anerkannt – und wir unseren Schülern ökonomisches Wissen systematisch vermitteln wollen, dann bedarf es nach unserer Überzeugung hierfür auch eines eigenen Fachs.

Mit Blick auf die Einführung des achtjährigen Gymnasiums hat Bundesbildungsministerin Schavan gefordert: „Lasst uns die besten Köpfe zusammenbringen, damit sie sich mit der Frage beschäftigen: Was gehört in einen sinnvollen Lehrplan?“

Unsere Antwort darauf lautet: Auf jeden Fall die ökonomische Bildung. Ein konkreter Vorschlag hierfür liegt, wie gesagt, auf dem Tisch.



Nun aber zurück zu Ihnen, liebe SCHUL/BANKER:
Einer Ihrer Vorgänger hat anlässlich des zehnjährigen Jubiläums seine Erfahrungen mit dem Planspiel auf folgenden Nenner gebracht: „Bis man in das Berufsleben einsteigt“, so sagte er, „ist es schwer, eine Bestätigung der eigenen Leistungsfähigkeit zu finden. Noten in der Schule und im Studium sind ein Gradmesser, haben jedoch, je nach Fach, wenig mit praktischen Aufgaben zu tun.

Der Schülerwettbewerb des Bankenverbandes war so etwas wie die Simulation einer Realität, wie sie einen nach der schulischen und universitären Ausbildung erwartet.“

Liebe Schüler, wenn wir für Sie hierzu einen Beitrag leisten konnten, wäre das ein schönes Ergebnis. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen für Ihre Zukunft Glück, Erfolg und Zufriedenheit. Und ich danke allen Projektbeteiligten für ihren großen Einsatz; ohne sie gäbe es den SCHUL/BANKER nicht.

Ich gratuliere denen, die es ins Finale geschafft haben und damit zu den besten Teams gehören, aber auch allen anderen, die ebenso engagiert dabei waren.

Hier gilt wie bei der Olympiade: Dabei sein ist alles. Oder: Der Weg ist das Ziel. Bleiben Sie auf diesem Weg. Erhalten Sie sich Ihr Interesse an der Wirtschaft und verlieren Sie Ihren Unternehmergeist nicht.
Und wer in der SCHUL/BANKER-Runde 2008/2009 am meisten Unternehmergeist bewiesen hat, das erfahren wir gleich von Frau Papke.

Der Film zum Finale
Das Finale der letzten Runde in bewegten Bildern ...

 Filmbild-2010
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